Karin Stehr entwickelt Strategien zur Positionierung unabhängiger Augenoptiker.
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Positionierung ist kein Projekt. Sondern eine Haltung.

Meine eigene Independent Eyewear Datenbank war gar nicht so gut, wie ich dachte.

Vor fast 4 Jahren bin ich mit meiner öffentlichen Independent Eyewear Datenbank gestartet. Sie entsprach meinem damaligen Anspruch, dass unabhängige Optiker in Deutschland einen umfassenden Überblick über diese großartige Parallelwelt der Lizenzmarken haben sollten. Denn in den meisten Geschäften werden die Vielfalt und das Potential dieser Brands kaum gesehen.

Bis 2024 habe ich meine Datenbank mit viel Liebe erweitert und gepflegt, aber dann wurden andere Themen immer wichtiger. Ich merkte vor allem, dass der Engpassfaktor bei der Weiterentwicklung von unabhängigen Optikern nicht das Wissen um kleine, besondere Brands ist. Es geht zuerst einmal darum herauszubekommen, wie eine unverwechselbare Identität des eigenen Geschäfts entwickelt werden kann.

Als ich vor ein paar Monaten meine neue Website aufgebaut habe, habe ich daher leise „Tschüss“ gesagt und sie abgeschaltet. Nur wenige Monate vorher hätte ich das nicht für möglich gehalten. Heute, eine kurze Zeit später, bin ich froh darüber.

Denn genau das ist Entwicklung. In diesem Fall meine persönliche Entwicklung.

Als ich mit der Datenbank gestartet bin, gab es nichts Vergleichbares. Mein Ziel war es, unabhängigen Augenoptikern einen besseren Überblick über die Welt der Independent Eyewear Brands zu geben. Nicht nur Namen zu sammeln, sondern Hintergründe, Designer, Stilrichtungen und Zusammenhänge sichtbar zu machen.

Inzwischen gibt es dafür aber bessere Lösungen. Fast gleichzeitig mit der True Eyewear Datenbank entstand FAVR Specs von Stefan Dongus und wurde seitdem immer weiterentwickelt.
Und jetzt hat auch Maarten Weidema vom TEF-Magazin sein immenses Wissen über die globale Independent Szene in seine TEF-Datenbank verwandelt.

Diese besseren Datenbanken verändern meine Arbeit nicht. Aber sie macht ihren neuen Schwerpunkt deutlich.

Beide Datenbanken, die von FAVR und vom TEF-Magazin sind heute umfassender, aktueller und sinnvoller aufgebaut als meine eigene es war. Und sie sind unterschiedlich strukturiert, wobei FAVR auch eine deutsche Version bietet. Beide haben super strukturierte Filter. Man findet schnell, was man braucht oder stöbert mit Freude auf der Suche nach Inspiration.

Deshalb empfehle ich jedem unabhängigen Augenoptiker, der sich mit Independent Eyewear beschäftigt, beide Datenbanken zu nutzen.

Gedanke von Karin Stehr auf einem Plakat: Positionierung ist kein Projekt. Sondern eine Haltung.

Früher war Wissen knapp. Heute ist Orientierung knapp.

Früher war es ein großer Vorteil, möglichst viele Marken zu kennen. Heute ist dieses Wissen für jeden zugänglich. Datenbanken werden besser, Suchfunktionen intelligenter und Informationen umfassender.

Das ist eine großartige Entwicklung. Und sie macht auch meine Arbeit einfacher. Gleichzeitig verschiebt sie ihren eigentlichen Wert.

Heute gibt es wichtigere Fragen als: Welche Brands gibt es?

Die wichtigste Frage für mich persönlich lautet:

Welche davon bringen speziell dieses Unternehmen weiter?

Eine Datenbank liefert Informationen und Übersicht. Sie kann aber nicht beurteilen, ob eine Brand zur Haltung eines Unternehmers, zu seinem Standort, zu seiner Zielgruppe oder zu seinen Zukunftsplänen passt.

Dort beginnt dann meine Arbeit.

Ich suche nicht nach der nächsten passenden Marke. Sondern nach dem größten Potenzial.

Deshalb spreche ich heute mit einem Optiker viel weniger über einzelne Brands als früher.

Mich interessiert zuerst das Unternehmen.

  • Welche Menschen sollen sich dort zu Hause fühlen?
  • Welche Menschen sollen sich dort zu Hause fühlen?
  • Was unterscheidet es deutlich von den Wettbewerbern?
  • Und ganz besonders wichtig für mich: Welche Stärken sind schon da – und welche werden bisher kaum genutzt?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, ergibt sich langsam aus einer langen Liste von Möglichkeiten eine sinnvolle Auswahl.

Dann geht es auch nicht mehr darum, möglichst viele gute Marken zu kennen. Denn wir sind an dem Punkt, die richtigen Entscheidungen für genau dieses Unternehmen zu treffen. Zu diesem Thema weiterlesen.

„Business as usual“ ist keine Zukunftsstrategie mehr.

Ich bin überzeugt, dass die unabhängige Augenoptik in Deutschland mit „Business as usual“ keine Zukunft hat.

Die Umwelt, die (Über)Lebensbedingungen der Optiker haben sich einfach grundlegend verändert.

Informationen sind heute für alle verfügbar. Gute Marken lassen sich finden. Fachwissen ist über die unterschiedlichsten Wege verfügbar. Neue Kontakte entstehen schneller als je zuvor.

Der eigentliche Unterschied entsteht nicht mehr durch Wissen oder Vernetzung. Er entsteht durch die Fähigkeit, aus den vielen Möglichkeiten eine klare Richtung zu entwickeln – und diese konsequent umzusetzen.

Wer immer noch versucht, möglichst vielen Kunden, möglichst vielen Marken und möglichst vielen Trends gleichzeitig gerecht zu werden, ignoriert einfach beharrlich die Zeichen der Zeit.

Wer genauer hinguckt wird feststellen: die unabhängigen Optiker, die auch heute noch erfolgreich am Markt sind oder sogar echte Neueröffnungen wagen, haben fast alle eines gemeinsam – ein unverwechselbares Profil.

Everybody’s Darling war noch nie eine gute Strategie. Heute ist es nur viel klarer sichtbar.

Ich glaube, dass wir uns als Branche viel zu lange daran gewöhnt haben, möglichst niemanden auszuschließen.

Möglichst viele Marken. Möglichst viele Zielgruppen. Möglichst viele Möglichkeiten. Das war und ist auch heute noch gelebter Alltag. Von Optikergeneration zu Optikergeneration weitergegeben.

Es hat lange funktioniert – und ist zum Problem geworden. Denn unser Umfeld hat sich schneller verändert, als unsere Denkweisen und Gewohnheiten.

Deshalb spreche ich über neue Brands heute erst dann, wenn wir die Ausgangslage und das Ziel des Unternehmens durch Gespräche und gemeinsame Analysen verstanden haben.

Ich habe es schon so oft erlebt: Die einfache Frage: „Wo möchtest du mit deinem Geschäft in fünf oder zehn Jahren stehen?“ ist ein Türöffner zu Ideen und Gedanken der Optiker, die im Alltag fast immer verschlossen bleiben.

Und die Antwort darauf entsteht aus klaren Entscheidungen und aus der Bereitschaft, nicht mehr Everybody’s Darling sein zu wollen.

Positionierung ist kein Projekt, das irgendwann abgeschlossen ist.

Sie ist eine Haltung, die sich mit jedem guten Gedanken und jeder guten Entscheidung weiterentwickelt. Denn die Welt, in der unabhängige Optiker arbeiten, wird sich weiter verändern.

Karin Stehr ist strategische Beraterin für Positionierung in der Augenoptik und Expertin für Independent Eyewear.

Sie führte 33 Jahre lang ein eigenes Optikgeschäft, davon 17 Jahre ausschließlich mit Independent Brands. Heute berät sie unabhängige Optiker, sich durch ein unverwechselbares Konzept und die passende Brillenkollektion vom Mainstream abzuheben.

Sie ist Autorin einer mehrteiligen Fachartikelserie in der eyebizz, Speakerin auf Branchenevents und mit ihrer strategischen und gleichzeitig menschlich zugewandten Beratungsmethode einzigartig in der Augenoptik-Branche.

Sie bringt Struktur in Entscheidungen, die oft zu lange offen bleiben.

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