Willst du wirklich ein Geheimtipp bleiben?
Warum ich beim Besuch eines Optikgeschäfts stutzig geworden bin
Du hast ein richtig gutes Optikgeschäft. Eine Kollektion, die du nicht zufällig zusammengestellt hast, sondern über Jahre entwickelt. Mit Independent Brands, die es in dieser Kombination nur sehr selten gibt. Da ist eine klare Handschrift zu sehen – und ein Anspruch, den man sofort spürt, sobald man den Laden betritt.
Deine Kunden merken das. Sie kommen gern zu dir, sie vertrauen dir, sie empfehlen dich weiter. Du kommst gut zurecht, auch in einer Stadt, in der es genügend Alternativen gibt – Filialisten, große Namen, ein paar alt eingesessene unabhängige Optiker.
Und dann habe ich einfach mal „gute Augenoptiker“ in deiner Stadt gegoogelt.
Du tauchst nicht auf. Nicht auf den ersten Blick. Nicht auf den zweiten. Eigentlich gar nicht.
Ich habe das Gleiche auch mit ChatGPT ausprobiert. Die Frage war simpel: Wo finde ich in dieser Stadt besondere Brillen?
Auch dort tauchst du nicht auf. Es scheint so, als wäre dein Geschäft ein gut gehütetes Geheimnis von echten Insidern. Und damit bleibt eine Menge Potential liegen.
Ein Geheimtipp zu sein klingt gut – hat aber eine Kehrseite
Wenn man dein Geschäft erlebt, wird ziemlich schnell klar: Du bist kein Durchschnitt. Im Gegenteil. Du bist wahrscheinlich das interessanteste Geschäft in dieser Stadt. Keine Spur von Mainstream, keine beliebige Auswahl, sondern eine Kollektion, die bewusst kuratiert ist. Ein Ort für Menschen, die genau das suchen – und sonst nirgendwo finden.
Man könnte sagen: Du bist ein Geheimtipp.
Und das klingt erstmal gut. Fast ein bisschen schmeichelhaft.
Aber je länger man darüber nachdenkt, desto klarer wird: Ein Geheimtipp zu sein bedeutet auch, dass man für viele gar nicht existiert.
Für all die Menschen, die dich nicht zufällig entdecken. Für die, die nicht empfohlen werden. Für die, die gezielt suchen – aber nicht wissen, dass sie dich suchen sollten.
Dein Geschäft ist sichtbar für die, die dich schon kennen. Für alle anderen nicht.
Und während ich darüber nachgedacht habe, wurde mir klar: Das ist kein Einzelfall.
Deine Kollektion ist stark – aber digital kaum zu erkennen
Du hast unglaublich viel Energie, Zeit und wahrscheinlich auch Geld in dein Geschäft gesteckt. In deine Auswahl, in deine Haltung, in die Art, wie du berätst. Du hast etwas aufgebaut, das Substanz hat. Das unterscheidbar ist. Das funktioniert.
Und genau das ist online kaum sichtbar.
Nicht, weil es nicht möglich wäre. Und auch nicht, weil es dir egal ist. Sondern weil dieses Thema lange keine echte Priorität hatte.
Erst wenn man sich bewusst damit beschäftigt, wird klar, wie entscheidend heute eine Website ist, die dein Geschäft wirklich digital übersetzt.
Du bis absolut nicht allein an diesem Punkt. Wenn man sich viele Websites von Optikgeschäften anschaut, ziehen sich ein paar Dinge durch: mittelgute, manchmal auch ganz gute Fotos, eine freundliche Ansprache, viel Fachwissen, eine saubere Struktur.
Aber man versteht nicht, warum dieses Geschäft besonders ist.
Und genau da liegt deine Chance. In diesem konkreten Fall ist es deine besondere Kollektion. Sie ist keine Liste von Marken. Sie ist das Ergebnis von Entscheidungen. Von Auswahl. Von Erfahrung. Von einem klaren Blick auf das, was zusammenpasst – und was eben nicht. [Um die Frage, welche Kollektion wirklich zu deinem Geschäft passt, geht es auch in diesem Artikel.]
Genau das müsste man online sehen können.
Eine ansprechende Website reicht nicht, wenn sie beliebig wirkt.
Auf den ersten Blick sieht deine Website sogar ganz gut aus. Modern. Eine saubere Ästhetik. Zugänglich. Kundenfreundlich. Aber genau das haben viele andere auch.
Was jedoch fehlt, ist der Moment, in dem man versteht, wofür dein Geschäft eigentlich steht.
Nicht als Schlagwort. Sondern so, dass man die Auswahl oder einen bestimmten Schwerpunkt nachvollziehen kann. Dass man erkennt, warum genau diese Marken hier angeboten werden – und nicht andere. Falls dein Schwerpunkt Optometrie ist, warum deine Untersuchungen so wichtig sind – und wie deine Kunden davon profitieren können.
Ein zweiter Punkt ist die Ansprache.
Viele Websites versuchen, möglichst niemanden auszuschließen. Aber genau das ist oft der Grund, warum sie nicht funktionieren – weil sie nicht klar zeigen, für wen sie eigentlich gemacht sind.
Und dein Geschäft ist eben nicht für alle gemacht. Und das ist kein Problem – im Gegenteil. Es ist sogar ein großer Vorteil, vorausgesetzt, dass die richtigen Kunden sich nicht nur vor Ort, sondern auch auf deiner Website sofort angesprochen fühlen.
Und es gibt noch etwas, das online fast immer verloren geht: deine eigene Präsenz
In deinem Geschäft bist du ein entscheidender Teil dessen, was dein Kunde bei dir erlebt. Du, dein Team, die Gespräche, die Zeit, die ihr euch nehmt. Diese Mischung aus Fachlichkeit und persönlicher Verbindung, die man in vielen anderen Bereichen längst nicht mehr bekommt.
Online reduziert sich das oft auf ein neutrales Teamfoto. Wenn ĂĽberhaupt.
Dabei ist genau das ein wesentlicher Grund, warum Kunden sich fĂĽr dich entscheiden.
6 Ansatzpunkte, damit dein Geschäft online erlebbar wird
Es geht nicht darum, dein Geschäft neu zu erfinden. Sondern darum, das, was längst da ist, sichtbar zu machen.
Werde sichtbar – auch digital
Keiner dieser Punkte bedeutet, dein Geschäft neu zu erfinden. Aber zusammen können sie bewirken, dass dein Anspruch nicht nur vor Ort spürbar ist, sondern auch dort, wo so gut wie jeder neue Kunde hinschaut, bevor er dein Geschäft betritt.
Es ist alles schon da, was du brauchst. Jetzt geht es darum, dass es auch gesehen wird.
Vielleicht ist genau das der nächste sinnvolle Schritt für dein Geschäft. Wenn du das nicht allein sortieren möchtest, begleite ich dich gern dabei.

Karin Stehr ist strategische Beraterin fĂĽr Positionierung in der Augenoptik und Expertin fĂĽr Independent Eyewear.
Sie führte 33 Jahre lang ein eigenes Optikgeschäft, davon 17 Jahre ausschließlich mit Independent Brands. Heute berät sie unabhängige Optiker, sich durch ein unverwechselbares Konzept und die passende Brillenkollektion vom Mainstream abzuheben.
Sie ist Autorin einer mehrteiligen Fachartikelserie in der eyebizz, Speakerin auf Branchenevents und mit ihrer strategischen und gleichzeitig menschlich zugewandten Beratungsmethode einzigartig in der Augenoptik-Branche.
Sie bringt Struktur in Entscheidungen, die oft zu lange offen bleiben.
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