Jede Brillenkollektion ist eine Einladung an bestimmte Menschen.
Und so beginnt dieser Artikel nicht mit Marken, sondern mit den Menschen, die du mit deinem Optikgeschäft anziehen möchtest.
Ihre Ansprüche, Bedürfnisse und ästhetischen Vorlieben werden zum Ausgangspunkt für die Entwicklung einer passenden Brillenkollektion.
Dieses Prinzip ist die Grundlage der Serie Positionierung trifft Kollektion.
Warum die Serie Positionierung trifft Kollektion überhaupt entstanden ist.
In den mehr als 30 Jahren als Optik-Unternehmerin habe ich tausende Kundengespräche geführt und unzählige Brillenkollektionen aufgebaut, verändert und immer wieder neu gedacht.
Dabei ist mir im Laufe der Zeit etwas immer klarer geworden:
Manche Menschen fühlen sich von der Brillen auf den Präsentationselementen sofort angezogen. Andere betreten dasselbe Geschäft und spüren schon nach wenigen Minuten: Hier bin ich wahrscheinlich nicht richtig.
Nicht, weil die Beratung schlecht ist oder sie nicht freundlich empfangen werden. Sondern weil die Brillenauswahl im Geschäft eine Botschaft sendet, die sie oft ganz unbewusst wahrnehmen.
Eine Kollektion spricht mit den Menschen – noch bevor du ein erstes Wort sagst.
Darum lohnt es sich sehr, gezielt darüber nachzudenken, wen sie ansprechen soll. Wen sie vielleicht sogar bewusst nicht ansprechen soll. Und vor allem: Welche Botschaft genau sie eigentlich vermittelt.
Es sind immer die richtigen Personen für eine bestimmte Haltung, eine bestimmte Auswahl und eine bestimmte Art zu arbeiten.

Erst die Menschen. Dann die Marken.
Wenn du Brillen einkaufst, interessieren dich wahrscheinlich die Neuheiten einer Kollektion, ein besonderes technisches Detail, die Gestaltung oder ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Das darf gern so bleiben – doch in meiner Beratung geht es darum, diese Perspektive zu erweitern und die Kollektionen mit den Augen deiner eigenen Wunschkunden zu betrachten.
Wie leben diese Menschen? Was ist ihnen wichtig? Wie viel Bedeutung haben Mode und Design für sie? Suchen sie etwas Besonderes – und möchten sie mit ihrer Brille auffallen? Oder schätzen sie gerade die leisen Details, die nur derjenige erkennt, der genauer hinsieht?
Begeistern sie sich für Materialien und technische Lösungen? Welche Rolle spielen Herkunft, Nachhaltigkeit oder Handwerk?
Und natürlich auch: Was sind sie bereit, für eine Brille auszugeben?
Was passiert, wenn du die Marken auch danach beurteilst?
Mit diesem Blick erweiterst du deine Kriterien beim Einkauf. Eine Kollektion, die dich spontan begeistert, lässt deine Wunschkunden möglicherweise kalt. Eine andere, die du bisher immer übersehen hast, kann genau das mitbringen, was diesen Menschen bisher in deinem Geschäft fehlt.
Es geht nicht mehr nur darum, ob sie gut, eigenständig und verkäuflich ist. Entscheidend wird, welche Aufgabe sie innerhalb deiner Kollektion übernehmen kann. Welche Wunschkunden sie anspricht. Und ob sie etwas ergänzt, das bisher fehlt – oder nur noch mehr von dem liefert, was längst ausreichend vorhanden ist. (siehe Blogbeitrag: Mehr Marken – Weniger Profil)
So entsteht aus einzelnen interessanten Marken nach und nach eine kuratierte Kollektion, die zur Positionierung deines Geschäfts und zu den Menschen passt, die du erreichen möchtest.
(siehe Blogbeitrag: Positionierung ist kein Projekt. Sondern eine Haltung.)
Menschen passen nicht in eine einzige Zielgruppe.
Natürlich lässt sich kein Mensch eindeutig einer einzigen Zielgruppe zuordnen, wie ich sie hier skizziere. Wir alle bewegen uns gleichzeitig in verschiedenen Lebenswelten und können je nach Lebensbereich zu zwei, drei oder noch mehr Gruppen gehören.
Jemand kann sich für Architektur und außergewöhnliches Design begeistern, beim Auto vor allem auf Funktion und Technik achten und seine Kleidung trotzdem sehr zurückhaltend auswählen. Aus diesen Vorlieben lässt sich noch lange nicht automatisch ableiten, welche Brille dieser Mensch tragen möchte.
In deiner Beratung geht es also zuerst einmal darum herauszufinden, welcher Stil diesem Menschen persönlich und ästhetisch besonders nahekommt – und wie er mit seiner Brille von anderen Menschen gesehen werden möchte.
Der eine möchte mit seiner Brille möglichst wenig verändern. Ein anderer möchte seine gestalterische Haltung zeigen. Der nächste möchte souveräner, interessanter, modischer oder individueller wirken. Und manchmal möchte jemand mit seiner Brille sogar eine Seite von sich zeigen, die in seinem übrigen Erscheinungsbild kaum sichtbar wird, ihn aber in seinem Wesenskern trifft.
Alles natürlich auch gute Gründe, mehrere Brillen für verschiedene Lebensbereiche zu haben.
Die Stil- und Zielgruppen von Positionierung trifft Kollektion sind deshalb keine Schubladen, in die Menschen einsortiert werden. Sie sind Orientierungspunkte.
Sie helfen dabei, unterschiedliche ästhetische Bedürfnisse und Lebenswelten sichtbar zu machen – und darüber nachzudenken, welche davon du mit deinem Optikgeschäft und deiner Kollektion zielgerichtet ansprechen möchtest.
Wie aus diesen Beobachtungen meine Stil- und Zielgruppen entstanden sind.
Aus diesen vielen Beobachtungen sind nach und nach die Stil- und Zielgruppen meiner Serie Positionierung trifft Kollektion entstanden.
Sie sind keine wissenschaftlich entwickelten Kundentypen und erheben auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie greifen Eigenschaften, Interessen, ästhetische Vorlieben und Lebenswelten auf, die mir in vielen Jahren immer wieder begegnet sind – und übersetzen sie in mögliche Anforderungen an eine Brillenkollektion.
Für jede dieser Gruppen stelle ich beispielhaft einige Independent Eyewear Brands zusammen, deren Kollektionen aus meiner Sicht besonders interessante Antworten auf die jeweiligen Bedürfnisse geben können.
Nicht als fertige Einkaufsliste und schon gar nicht mit dem Anspruch, dass nur diese Marken infrage kommen. Die Auswahl soll zeigen, wie unterschiedlich eine Brillenkollektion aussehen kann, je nachdem, für welche Menschen sie gedacht ist.
Die bisher veröffentlichten Stil- und Zielgruppen
Zum Start Mitte August 2026 sind es 18 Stilwelten. Woche für Woche werden weitere hinzukommen. In Planung ist eine eigene Unterseite für diese Serie, die dann die kompletten Texte und Beispiele für passende Kollektionen enthält.
- #01 Kulturszene
- #02 Urbane Minimalisten
- #03 Souveräne Frauen 45+
- #04 Menschen mit nachhaltigen Lebenskonzepten
- #05 Männer mit Stil
- #06 Gravel Bike und Outdoor-Ästheten
- #07 Junge Frau Designszene
- #08 Ruhige Individualisten
- #09 Architekten und Interieur Designer
- #10 Tech-Studenten
- #11 Japan-Ästheten
- #12 Menschen mit Vertrauen in Made in Germany
- #13 Silent Luxury Menschen
- #14 Designaffine Frauen
- #15 Bella Figura Ragazzi
- #16 Techniker ohne ChiChi
- #17 Design Fetischisten
- #18 Männer mit Fashion Gen
Meine Frage an dich: Welche Menschen möchtest du mit deiner Kollektion erreichen?
Vielleicht hast du beim Anschauen der verschiedenen Gruppen bei einigen sofort gedacht: Genau diese Menschen kenne ich.
Vielleicht sind sie bereits gute Kunden deines Geschäfts. Vielleicht würdest du gerade von ihnen gern sehr viel mehr erreichen.
Dann mach ein kleines Gedankenspiel.
Such dir zunächst drei bis fünf der Stil- und Zielgruppen aus, die besonders gut zu dem Geschäft passen, das du heute führst – oder zu dem Geschäft, das du in Zukunft führen möchtest.
Und dann schau aus der Perspektive dieser Menschen auf deine aktuelle Kollektion.
Finden sie dort wirklich eine Auswahl, die ihren ästhetischen Vorstellungen entspricht? Gibt es genügend unterschiedliche Möglichkeiten innerhalb ihrer Stilwelt? Entdecken sie etwas, das sie anderswo nicht genauso finden? Und vor allem: Würden diese Menschen beim Blick auf deine Brillenauswahl tatsächlich spüren, dass du beim Brilleneinkauf an sie gedacht hast?
Dabei geht es noch gar nicht darum, sofort Marken zu streichen oder neue einzukaufen.
Interessanter ist zunächst die Frage, was passieren würde, wenn du deine heutige Kollektion konsequent aus der Perspektive dieser drei bis fünf Wunschkundengruppen betrachten würdest.
Was würde plötzlich sehr gut passen? Was wäre zu viel vorhanden? Was würde fehlen? Und welche Marken würdest du möglicherweise mit ganz anderen Augen betrachten?
Der Sinn dieses Gedankenspiels:
Du stellst in diesem Moment nicht mehr die klassische Optikerfrage:
Welche Marke könnte ich noch gebrauchen?
Sondern du wechselst die Perspektive:
Welche Menschen möchte ich mit meiner Kollektion wirklich erreichen – und wie gut gelingt mir das heute schon?
Vielleicht ist das der Anfang einer ganz anderen Kollektion.
(siehe Blogbeitrag: Du brauchst nicht mehr Kunden, sondern die richtigen.)

Karin Stehr ist strategische Beraterin für Positionierung in der Augenoptik und Expertin für Independent Eyewear.
Sie führte 33 Jahre lang ein eigenes Optikgeschäft, davon 17 Jahre ausschließlich mit Independent Brands. Heute berät sie unabhängige Optiker, sich durch ein unverwechselbares Konzept und die passende Brillenkollektion vom Mainstream abzuheben.
Sie ist Autorin einer mehrteiligen Fachartikelserie in der eyebizz, Speakerin auf Branchenevents und mit ihrer strategischen und gleichzeitig menschlich zugewandten Beratungsmethode einzigartig in der Augenoptik-Branche.
Sie bringt Struktur in Entscheidungen, die oft zu lange offen bleiben.
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