Sechs Positionierungswelten für unabhängige Optiker – Landblick, Studio Eyewear, GOOD LOOK, Sehraum, Runway Eyewear, Collection Privée
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Welche Brillenmarken passen zu meinem Optikgeschäft?

Die „richtigen Brillen“ für ein unabhängiges Optikgeschäft?
Die gibt es nicht.

Jedes Geschäft funktioniert anders – was für die einen unverzichtbar ist, wird woanders schnell zum Ladenhüter.

Trotzdem hält sich der Gedanke hartnäckig, man müsse sie einfach nur finden – diese Brillen, die ohne viel Aufwand zum Bestseller werden.

Auf Messen, im Austausch mit Kollegen oder beim Blick ins Nachbar-Schaufenster scheint sie greifbar nah. Genau dort beginnt das Problem.

Inhaltsverzeichnis

1. Die „richtigen Brillen“? Warum es sie nicht gibt
2. Der Mythos vom Messe-Geheimtipp
3. „Diese Marke läuft überall“ – ein Warnsignal
4. Deine Kollektion spricht, bevor du es tust
5. Brillen als visuelle Sprache deines Geschäfts
6. Warum unbekannte Marken stärker wirken können als Logos
7. Positionierung kommt vor Sortiment
8. Marken ohne Profil – warum daraus Stückwerk entsteht
9. Warum die Markenfrage größer ist, als du denkst
10. Sechs Positionierungswelten für unabhängige Optiker
– Landblick – Das feine Brillenhaus
– Studio Eyewear
– GOOD LOOK
– SEHRAUM – Brille & Optometrie
– Runway Eyewear
– COLLECTION PRIVÉE
11. Welcher Typ bist du? Fragen zur Klarheit
12. 80 % Klarheit – 20 % individuelle Facette
13. Welche Marken wirklich zu deiner Welt passen
14. Warum du keine 50 oder 80 Marken brauchst

Der Mythos vom Messe-Geheimtipp

Der „Geheimtipp“ ist auf Messen fast schon eine Trophäe. Nach „Wie läuft’s bei dir?“ ist die Frage nach der spannendsten Neuentdeckung wahrscheinlich die häufigste auf den Gängen zwischen den Ständen.

Aber mal ehrlich: Ist es wirklich ein Qualitätsmerkmal, dass du oder auch deine Kunden eine Marke bisher noch nicht kennen?

Deine Kollektion muss sich doch an deinen Kunden orientieren – nicht an Messe-Stimmungen.

Was viele übersehen:

  • Was für Kollegen spannend wirkt, passt nicht automatisch zu deinem Stil.
  • Ein „Geheimtipp“, den am dritten Messetag alle feiern, ist keiner mehr.

Und noch etwas: Was viele gut finden, ist selten individuell.

Eine Marke wird nicht wertvoll, weil sie neu ist. Sie wird wertvoll, wenn sie in dein Konzept passt.

Diese Marke läuft überall“ – ein Warnsignal

Wenn du Mainstream vermeiden willst, solltest du bei diesem Satz hellhörig werden.

Was überall läuft, ist meist so gebaut, dass es möglichst vielen gefällt:
konventionelle Formen, klassische Farben, große Stückzahlen, günstige Produktion. Das funktioniert oft sogar sehr solide – wenn die Zahlen mehr zählen als das Profil.

Aber: Wenn dieselbe Brillenkollektion in jedem zweiten Schaufenster deiner Stadt liegt, warum sollte ein Kunde sie ausgerechnet bei dir kaufen?

Vielleicht stimmt der Rohertrag. Doch dein Image bleibt unklar – und austauschbar. 

Wer nie klar an seiner eigenen Positionierung gearbeitet hat, tut sich schwer bei der Auswahl. Dann entsteht die Kollektion eher zufällig als strategisch.

Typische Entscheidungsgründe sind:

  • „Kenn ich noch aus meinem alten Geschäft.“
  • „Der Messestand ist immer voll – das muss erfolgreich sein.“
  • „Der Außendienst ist ein richtig cooler Typ. Und immer fair.“
  • „Die Konditionen sind super.“
  • „Meine Kunden fragen eben danach.“

Wenn es dann mal nicht rund läuft oder frischer Wind fehlt, schaut man nach rechts und links. Was dort funktioniert, müsste hier doch auch gehen … .

Auf diese Weise wird eine Kollektion Jahr für Jahr austauschbarer.

Und mit ihr verschwindet oft die Begeisterung für richtig gute Brillen – nicht nur beim Inhaber, sondern auch im Team.

Deine Kollektion ist das Erste, was Kunden ohne Fachwissen verstehen

Bevor du ein Wort sagst, hat sie schon mal Tatsachen geschaffen.

Der erste Eindruck entsteht über das Ambiente – und darüber, wie und welche Brillen präsentiert werden. Hängen alle Modelle gleichmäßig im Raster, wirkt ein Geschäft schnell wie ein Filialist. Orientierung entsteht dann kaum über Stil oder Preis, sondern fast nur über bekannte Logos.

Und genau deshalb sind große Lizenzmarken dort im Vorteil.

Sie erklären sich scheinbar von selbst und geben Halt. Das führt automatisch zu hoher Nachfrage – nicht unbedingt, weil sie besser passen, sondern weil sie schneller einzuordnen sind.

Sortierst du deine Kollektion dagegen klar nach Stilrichtungen und passt das Ambiente in diesen Bereichen zu den Brillen, passiert etwas anderes. Kunden fühlen sich intuitiv zu dem Bereich hingezogen, der ihrer Persönlichkeit nahekommt – und entdecken Marken, die sie sonst nie beachtet hätten.

Deine Aufgabe im Gespräch ist dann klar:

  • gezielte Fragen stellen
  • sehr typ- und stilgerechte Brillen vorlegen
  • Vertrauen aufbauen, dass der Kunde genau hier richtig ist

So entsteht Sicherheit – nicht über Logos, sondern über das Gefühl: „die ist wie für mich gemacht.“

Brillen sind die visuelle Sprache deines Geschäfts

Individuelle Brillenkollektionen haben eine enorme stilistische Bandbreite.

Ohne die bekannten Logos im Vordergrund wird sichtbar, wie unterschiedlich Formen, Materialien und Farben wirklich sein können.

Die Stilrichtungen lassen sich klar inszenieren:

  • über Materialien und Farben im Hintergrund
  • über korrespondierende Details
  • über die Bündelung von mindestens 20 Modellen einer Stilwelt

Wenn ein Kunde eine solche Auswahl zusammen sieht, kann er sich in dieser Ästhetik wiedererkennen. Das funktioniert dezent – oder ganz bewusst markant.

So werden verschiedene Bereiche deines Geschäfts lesbar. Nicht plakativ, aber für die richtigen Kunden eindeutig.

Unbekannte Marken können stärker wirken als bekannte Logos

Die meisten Kunden kaufen nur alle paar Jahre eine Brille und haben wenig Wissen über Marken.

Genau deshalb tragen Optiker eine große Verantwortung – nicht nur fachlich, sondern auch stilistisch. Wer jemanden wirklich in seiner Persönlichkeit treffen will, braucht mehr als Mainstream.

Mainstream ist darauf ausgelegt, bei möglichst vielen zu funktionieren. Doch damit wird enormes Potenzial verschenkt.

Es gibt unzählige spannende Independent Brands, aber

  • viele sind nicht für jeden Typ geeignet
  • sie wirken anfangs oft ungewohnt in der Präsentation
  • manche finden sie sogar skurril

Doch im richtigen Gesicht? Unschlagbar.

In einem Geschäft, das konsequent auf individuelle Kollektionen setzt, zeigt sich das fast täglich. Diese Momente, in denen ein Mensch mit einer unerwarteten Brille vor dem Spiegel steht und plötzlich strahlt, entstehen selten durch das berühmte Logo auf dem Bügel – sondern durch die Erkenntnis: Das ist „The perfect match“.

Bevor du über deine Marken nachdenkst: Wofür steht dein Geschäft?

Positionierung kommt vor Sortiment – sonst bleibt deine Kollektion Zufall.

Viele unabhängige Optikgeschäfte wollen noch immer für möglichst jeden Kunden „irgendetwas Passendes“ da haben. Eine Brille, die vernünftig sitzt, ganz gut aussieht und am Ende Zustimmung findet, weil sie eben die beste verfügbare Alternative ist.

Diese Denkweise hatte vor Jahrzehnten ihre Berechtigung.

Das Angebot an Geschäften und Marken war deutlich kleiner, die Konkurrenz überschaubarer.

Doch heute? Der Markt ist größer, vielfältiger und spezialisierter denn je.

Trotzdem sitzt der Gedanke tief: Ich darf keinen Kunden ziehen lassen, nur weil ich ihm keine Brille anbieten, die zu seinem Stil und seinen Ansprüchen passt. Umsatzverlust fühlt sich unlogisch an. Dabei hat sich diese Sichtweise in fast allen anderen Branchen längst verändert.

Nur wenige individuelle Geschäfte haben sich klar auf eine umrissene Zielgruppe ausgerichtet. Es gibt:

  • einige mit starkem Fokus auf Independent Brands
  • eine wachsende Zahl mit Schwerpunkt Optometrie
  • einzelne mit konsequentem Nachhaltigkeitsansatz
  • Spezialisierungen auf Kinder, Sport oder Maßanfertigungen

Aber flächendeckend? Noch lange nicht.
Und das Potenzial an möglichen Themen ist deutlich größer.

Eine klare Positionierung ist dein Fixstern für alle Entscheidungen

Du legst damit die Grundlage, dass dein Wunschkunden magisch angezogen werden, weil sie spüren: Hier geht es genau um mich.

Darum muss dich die Positionierung auch durch alle Bereiche ziehen – sonst bleibt sie Behauptung.

  • in der Einrichtung
  • in der Brillenkollektion
  • in der Art der Kommunikation
  • im Preisniveau
  • im Lebensstil, der überall mitschwingt

Wenn dann alles passt zusammen, deine Wunschkunden sich zuhause fühlen, dann bringen sie weitere, passende Kunden mit und dein Geschäft wird in seinem Segment zum Branchenführer in der Region.

Der Kontrast zu Filialisten, die möglichst viele Typen bedienen wollen und müssen, könnte kaum größer sein. Gerade weil echte Spezialisierung noch so selten ist, wirkt sie umso stärker.

Marken einkaufen ohne klares Profil führt zu Stückwerk

Ohne Positionierung läuft es im besten Fall so: der Inhaber kauft gezielt nach seinem eigenen Stil und Geschmack ein – und zieht dadurch Menschen an, die ihm ähnlich sind. In sehr kleinen Geschäften kann das funktionieren, solange alles konsequent durchgezogen wird.

Doch sobald ein Team dazukommt, wird es komplexer. Unterschiedliche Persönlichkeiten beraten unterschiedlich – und die stilistische Klarheit verschwimmt.

In den meisten Fällen entstehen Kollektionen allerdings aus anderen Gründen:

  • attraktive Paketangebote und latenter Druck durch die großen Anbieter
  • langjährige Beziehungen und Vertrauen in Personen
  • Nachfragen nach bestimmten Marken von Kunden
  • FOMO – Fear of Missing out … in diesem Fall die neue spannende Kollektion im Schaufender des Kollegen

Manches davon passiert gar nicht bewusst. Fast alle Optiker sind davon überzeugt, eine ganz individuelle Kollektion für ihre Kunden zusammengestellt zu haben.

Die Realität spricht dagegen: In den allermeisten Geschäften befindet sich ein Mix der 50 am meisten verbreiteten Brillenmarken (Lizenzmarken und die bekanntesten Independent Brands).

Denn im Alltag wirken viele unbewusste Mechanismen – und manches, was möglich wäre, wird gar nicht gesehen.

Die echte Alternative heißt: rückwärts denken.

  • Wunschkunden klar definieren
  • Standort, Team, eigene Persönlichkeit und Historie einbeziehen
  • sich Zeit nehmen und gründlich recherchieren – online und auch auf den großen Messen in Mailand und Paris
  • und erst dann gezielt die passenden Kollektionen aussuchen

Einige der bisherigen Marken werden sicher bleiben.

Doch wer diesen Prozess ernsthaft durchläuft, entdeckt auf Messen plötzlich ganz andere Möglichkeiten, kommt mit Brancheninsidern ins Gespräch und entwickelt eine Kollektion, die wirklich zur eigenen Überzeugung und zur Lebenswirklichkeit der Wunschkunden passt.

Und genau dann entsteht etwas Einzigartiges.

Warum die Markenfrage größer ist, als du denkst

Vielleicht erwartest du jetzt schon konkrete Markennamen. Oder eine Liste mit Empfehlungen, so etwas wie „diese fünf funktionieren immer“.

Ganz ehrlich: Eine einfache Liste gibt es nicht.

Wenn du wissen willst, welche Brillenmarken zu deinem Optikgeschäft passen, musst du zuerst eine unbequemere Frage beantworten:

Wofür steht dein Geschäft eigentlich – sichtbar und spürbar? Oder wofür sollte es idealerweise stehen?

Denn Marken sind kein Add-on. Sie sind Ausdruck deiner Haltung, deines Anspruchs, deiner Zielgruppe und deines Preisniveaus.

Wenn du deine Kollektion wirklich verändern willst, veränderst du automatisch dein Geschäft. Vielleicht nicht gleich morgen mit einem Umbau. Aber Schritt für Schritt – in Atmosphäre, Wahrnehmung und Kundschaft.

Und genau deshalb reicht es nicht, isoliert über Marken zu sprechen. Wir müssen über Positionierungswelten sprechen – immer mit der Frage im Hinterkopf: Welche Richtung spricht dich am meisten an?

Sechs Positionierungswelten für unabhängige Optiker

„Landblick“ – Das feine Brillenhaus für Qualität und Geborgenheit

„Landblick“ steht für Ruhe, Qualität und persönliche Begegnung – mitten in der Kleinstadt, oft in direkter Nachbarschaft zum Filialisten.

Wer den Laden betritt, fühlt sich sicher und gut aufgehoben. Warme, neutrale Farben, vielleicht leise harmonische Musik im Hintergrund, modernes Ambiente ohne Design-Experimente – komfortabel, aber nicht rustikal.

Hier passiert nichts schnell. Und das ist genau so gewollt. Die meisten Kunden kommen auf Termin.

Die Beratung findet an großzügigen, bequemen Tischen statt. Es gibt keinen 25-Minuten-Takt, sondern Zeit – so viel, wie der Kunde braucht. Ein etwas abgeschirmter Tisch sorgt bei sensibleren Themen für Privatsphäre.

Die Brillen sind hochwertig präsentiert, klar nach Stilrichtungen sortiert, nie überladen. Ein großer Teil der Auswahl liegt bewusst in Schubladen und wird gezielt gezeigt.

Jeder spürt: Hier ist kein Platz für die Konsumpreislage.
Brillenfassungen beginnen mit 200 €, der Durchschnitt liegt eher bei 400 €. Und es gibt auch zwei Edel-Kollektionen, bei denen es Modelle über 1.000 € gibt.

Die Kollektion verbindet natürliche Materialien, faire Produktion und hochwertiges Design. Nachhaltigkeit ist kein Marketing-Gag, sondern gelebter Wert – ruhig, selbstverständlich, ohne Moralkeule.

Die Zielgruppe?

  • überwiegend über 40 Jahre
  • ein gebildetes, qualitätsbewusstes Publikum
  • Menschen, die regionale und nachhaltige Produktion schätzen
  • aber auch eine Gruppe ab Mitte 20, die genau hier die nachhaltigen Brillen findet, die sie sucht

Understatement statt Glamour, Wertigkeit statt Logo.
Man erkennt „Landblick“ sofort – weil alles zusammenpasst.

„Studio Eyewear“ – Inspiration, Design und Weltoffenheit

„Studio Eyewear“ steht für kosmopolitisches Designbewusstsein und eine klare ästhetische Haltung.

Dieses Geschäft könnte in jeder modernen Großstadt liegen. Es wirkt wie eine Galerie für Avantgarde und zeitgenössisches Design – offen, inspirierend, kreativ.

Der Raum ist großzügig und modern gestaltet, mit subtil abgegrenzten Zonen für unterschiedliche Stilrichtungen. Kooperationen mit Künstlern, Fotografen oder hochwertigen Lifestyle-Marken sind hier stimmig.

Der Unterschied zu „Landblick“ ist spürbar:

Nicht Geborgenheit, sondern Inspiration und Weltoffenheit prägen den ersten Eindruck.

Hier wird der Anspruch an Design, Verarbeitung und gestalterische Vision bewusst kommuniziert, und zieht Kunden an, die dafür offen sind.

  • Termine sichern den Grundumsatz und die Stammkundschaft
  • spontane Laufkundschaft und Touristen sind ausdrücklich willkommen
  • die Beratungszeit ist großzügig kalkuliert, aber durch höhere Frequenz im Schnitt etwas kompakter als bei „Landblick“

Der Durchschnittspreis für Fassungen liegt bei rund 500 €.
In diesem Segment liegt der Schwerpunkt – ergänzt durch ausgewählte, selten gesehene Marken darunter und zwei bis drei extravagante Kollektionen jenseits der 1.000 €.

Die Kollektionen haben eine klare Designsprache und erkennbare gestalterische Handschrift.

Details machen sie für Kenner sofort identifizierbar. Der Inhaber kennt die Designer persönlich oder zumindest deren Vision sehr genau – und trägt diese Haltung ins Team.

Was hier niemals hängen würde?

  • verspielte Modelle mit Ornamenten und Blüten
  • austauschbare Basic-Kollektionen nur fürs „untere Preissegment“
  • jede Form von Lizenzmarke, egal wie gehypt sie gerade ist – und damit auch kein Logo auf dem Bügel

Die Zielgruppe ist altersmäßig breit gefächert, beginnt aber oft ab Mitte 20 – dort, wo sich Persönlichkeit und Stilbewusstsein klar herausbilden. Kreative, Vielreisende, Selbständige, Führungspersönlichkeiten. Menschen, für die Gestaltung Teil ihrer Identität ist.

Wer sich einmal für diesen Stil entschieden hat, bleibt ihm oft treu – auch Jahrzehnte später.

Good Look Moodboard für eine Positionierung eines jungen, lebendigen Optikkonzepts.

„GOOD LOOK“ – Stilbewusst, lebendig und nahbar

„GOOD LOOK“ verbindet individuelles Design mit Zugänglichkeit – ohne Hemmschwelle und ohne Mainstream.

Dieses Geschäft ist lebendig. Musik läuft, es ist Bewegung im Raum, Kunden dürfen ungestört schauen. Niemand wird bedrängt, aber das Team spürt genau, wann der richtige Moment für eine persönliche Beratung gekommen ist.

Das Ambiente ist farbig und vielfältig.

Nicht hochgestylt und auf „Luxus“ getrimmt wie bei vielen Filialisten, sondern authentisch und selbstbewusst. Kleine Events gehören dazu – ein After-Work mit DJ und Drinks alle zwei Wochen passt hier perfekt.

Preislich startet „GOOD LOOK“ bei etwa 150 €, der Durchschnitt liegt bei 250 €.

Es ist kein Low-Budget-Konzept, sondern der richtige Ort für mode- und stilbewusste Menschen, die sich im anonymen Mainstream-Angebot der Filialisten nicht wohlfühlen – und Individualität im Mittelpreisbereich suchen.

Typisch für die Kollektion:

  • europäische Designer, häufig in Fernost produziert
  • einzelne Kollektionen mit europäischer oder regionaler Fertigung im oberen Segment
  • große stilistische Bandbreite von Classic über Casual bis Modern und Fashion
  • spannende Details in Verarbeitung, Verpackung und Story

Auch eine eigene Hausmarke kann hier stimmig sein – als klare Übersetzung der „GOOD LOOK“-Idee in eine eigene Linie.

Die Zielgruppe ist breit gefächert – mit einem klaren Schwerpunkt zwischen 30 und 55 Jahren.

Das ist die größte Kundengruppe: berufstätig, stilbewusst und dem Wunsch, sich bewusst vom Mainstream abzugrenzen, ohne ins Extreme zu gehen.

Gleichzeitig kommen junge Erwachsene, sobald das erste eigene Geld da ist und sie Lust auf individuelle Marken haben. Und es gibt ein gutes, solides Angebot für Kunden über 60. Nicht selten steht die ganze Familie im Laden.

Was „GOOD LOOK“ vom klassischen Generalisten unterscheidet, ist entscheidend:

Hier werden nicht die Bestseller und die berühmten Marken angeboten. Das Team ist auf Messen präsent, im Austausch mit Brancheninsidern, kennt sein Publikum genau – und lässt ganz bewusst die typischen Mainstream-Marken weg.

Das Unerwartete ist Programm – Stil zeigen, ohne beliebig zu sein.

Die größte Gefahr?
Zu günstige Preise auf Kosten der Qualität. Wer das Konzept ernst nimmt, vermeidet genau das. Denn hochwertige Gläser und solide Fassungsqualität gehören zwingend dazu.

„SEHRAUM – Brille und Optometrie“ – Kompetenz für Sehqualität und individuelle Lösungen

SEHRAUM – Brille und Optometrie“ stellt die Sehqualität konsequent in den Mittelpunkt – und macht fachliche Kompetenz sichtbar.

Dieses Geschäft wirkt modern und hochwertig, aber nicht designverliebt oder überraschend inszeniert. Der wichtigste Eindruck ist: Hier bin ich in guten Händen.

Der Messbereich ist präsent, aber nicht medizinisch-kühl. Hochwertige Geräte stehen sichtbar hinter Glas oder einer großen offenen Tür – mit dem Flair einer Privatpraxis. Keine Arztatmosphäre, sondern Sicherheit durch Kompetenz. Die Brillen sind selektiv präsentiert, nach Stilen geordnet, vieles liegt bewusst in Schubladen. Die meisten Kunden kommen auf Empfehlung und mit Termin.

Im Zentrum steht ein Inhaber, der überzeugter Optometrist ist.

Technologische Entwicklungen begeistern ihn, und er weiß, welche Verantwortung er trägt – als erster Ansprechpartner für Sehprobleme und mögliche Erkrankungen. Das Verhältnis zu Augenärzten ist gepflegt und professionell.

Sein Anspruch ist klar:

Mehr Sehqualität ermöglichen, als Kunden es bisher erlebt haben.

Das hat zwei Seiten:

  • sehr hohe Kompetenz und intensive Betreuung
  • teilweise extrem anspruchsvolle Kunden
  • daraus folgt im Schnitt überdurchschnittlich hoher Zeitaufwand
  • Möglichkeiten für Zusatzleistungen, die separat berechnet werden

Die Zielgruppe ist überdurchschnittlich häufig 40+.

Doch das steigende Gesundheitsbewusstsein in allen Altersgruppen verändert das Bild. Myopiemonitoring bei Kindern, Interesse an Longevity, technologische Innovationen bei Gläsern und Kontaktlinsen – all das spricht zunehmend auch jüngere, gesundheitsorientierte Menschen an.

Preislich liegen die Fassungen im gehobenen Bereich, mit einem Durchschnitt um 400 €.

Qualität und Beratungstiefe sind exzellent. Zusatzleistungen können durch die hohe Akzeptanz separat berechnet werden.

Die Kollektion ist hochwertig und eher im Understatement angesiedelt.

  • funktional-elegante Modelle
  • hoher Tragekomfort
  • zeitlos klassische Auswahl mit einzelnen modischen Akzenten
  • punktuell smarte technologische Innovationen
  • Nachhaltigkeit als bewusstes Angebot – nicht als Kernbotschaft

Besonders modische Kollektionen können auch eine größere Rolle spielen – wenn es von Inhaber und Team authentisch vorgelebt wird.

Der entscheidende Unterschied zu „Landblick“:
Dort ist optometrische Kompetenz Teil des Angebots. Hier ist sie der Grund, warum Kunden kommen.

„Runway Eyewear“ – Trend, Prestige und permanente Bewegung

Dieses Geschäft fühlt sich an wie eine Boutique in Mailand. Oder wie ein Concept Store für Fashion Freaks. Dunkel und edel oder hell und glamourös – beides ist möglich. Entscheidend ist nicht die Farbe des Bodens, sondern die Haltung dahinter.

Das Schaufenster ist Bühne.

Keine überladene Warenauslage, sondern einzelne ikonisch inszenierte Modelle. Jede Brille wirkt wie ein Statement-Piece.

Der Inhaber sieht sich als Trendscout.
Er liest internationale Magazine, verfolgt Designer, kennt neue Independent Brands oft sehr früh. Mode begeistert ihn persönlich – und genau diese Begeisterung will er weitergeben.

In der Kollektion zeigt sich diese Haltung:

  • gehypte Luxus-Lizenzmarken
  • relevante, statusstarke Independent Brands
  • aufkommende Labels mit Potenzial
  • kurzlebige, sehr prägnante Kollektionen

Mode darf hier temporär sein. Bewegung ist Teil des Konzepts.

Die Zielgruppe beginnt oft schon Anfang 20 – sobald das nötige Budget da ist. Ob statusorientiert oder echter Mode-Enthusiast, lässt sich kaum trennen. Wer Mode so intensiv lebt, erfüllt fast immer auch ein Bedürfnis nach Sichtbarkeit.

Der Großteil der Fassungen liegt zwischen 300 und 600 €.

Damit sich dieses Konzept klar von hochwertigen Flagshipstores der Filialisten abhebt, braucht es Substanz. Der Anteil der Independent Brands sollte mindestens 40 % betragen – sonst bleibt es austauschbar.

Was starke High-Fashion-Geschäfte anders machen:

  • konsequentes Stock-Management
  • permanente Aktualisierung
  • klare kuratorische Handschrift
  • eigenständige Kommunikation
  • hohe Investition in Inszenierung

Ohne diese Konsequenz wird es beliebig.

Denn die größte Gefahr liegt eben genau dort:
Modezyklen sind schnell – und bei den üblichen Kalkulationen, gerade mit vorgegebenen Preisen bei Lizenzmarken, können zu viele Restbestände die Wirtschaftlichkeit belasten. Permanente Sale-Flächen passen jedoch kaum zur Luxusinszenierung.

Zweite Gefahr:
Eine Mischung aus Lizenz- und Independent Brands allein reicht nicht. Ohne starke eigene Aussage, klare visuelle Identität und konsequente Kommunikation sieht ein High-Fashion-Optiker schnell aus wie viele andere.

Und dann bleibt nur der Markenname – aber kein eigenes Profil.

„COLLECTION PRIVÉE“ – Manufaktur, Begehrlichkeit und kompromissloser Luxus

„COLLECTION PRIVÉE“ steht für kompromisslose Manufakturarbeit und ein Luxusverständnis, das weit über Mode hinausgeht.

Dieses Konzept ist in Deutschland noch sehr selten – und wird es vermutlich auch bleiben. Es richtet sich bewusst an ein kleines, sehr kaufkräftiges Segment.

Die Atmosphäre erinnert an ein High-End-Boutique-Hotel.
Ein Aperitif, ein Canapé, eine Garderobe, leise Musik. Die Kunden dürfen gesehen werden. Es ist edel, besonders, vielleicht sogar spektakulär – aber niemals beliebig.

Termine sind möglich. Doch das Klientel erwartet auch, dass spontan Zeit da ist.

Der Inhaber ist kein Einsteiger.
Er ist in dieses Segment hineingewachsen – aus echter Faszination für fein gearbeitete, hochwertige Produkte. Er kennt die Manufakturen persönlich oder zumindest sehr gut, baut Kontakte konsequent aus und bewegt sich selbstverständlich in dieser Szene.

Was ihn auszeichnet:

  • Liebe zu handwerklicher Perfektion
  • Verständnis und vielleicht sogar persönliche Affinität für limitierte Auflagen
  • Begeisterung für außergewöhnliche Materialien

Ohne echte Kenntnis funktioniert dieses Konzept nicht.

Die Zielgruppe ist klar 40+.
Unternehmer, sehr gut verdienende Führungskräfte, erfolgreiche Künstler, internationale Kunden. In diesem Umfeld ist es kein Thema mehr, 700, 800 oder auch über 1.000 € für eine Brille auszugeben – manche sammeln sie sogar.

Ein großer Teil der Kollektionen liegt zwischen 700 und 1.000 €, viele Modelle bewegen sich jedoch auch selbstverständlich im Bereich von 1.000 bis 2.000 €. Erst darüber beginnen die wirklichen Ausnahmen.

Die Kollektionen stammen überwiegend aus Manufakturen in Japan und Westeuropa und zeichnen sich so aus:

  • kleinste Stückzahlen
  • vielfach limitierte Serien
  • schnell ausverkauft
  • Titan in höchstem Detailreichtum und Präzision, Büffelhorn und japanisches Acetat
  • häufig markante Modelle – inspiriert von Vorbildern aus den 50er bis 70er Jahren

Goldbrillen, Platin oder Edelsteinbesatz gehören zu einem eigenen, noch klassischeren Segment – das integriert sein kann, aber nicht zwingend muss.

Diese Brillen sind nicht nur modisch.
Sie sind haptisch, technisch und handwerklich auf einem Niveau, das am ehesten mit Luxusuhren vergleichbar ist. Eine kleine Gruppe von Connaisseurs erkennt sie an Details.

Der Unterschied zu „High Fashion Eyewear“ ist wesentlich:
Dort geht es um Trend und Aktualität.
Hier geht es um Substanz, Kunstfertigkeit und bleibenden Wert.

Die größte Herausforderung liegt im Markt selbst.
Vor einer Neugründung oder klaren Neuausrichtung muss sorgfältig geprüft werden:

  • Gibt es im Umfeld die passende kaufkräftige Zielgruppe?
  • Existieren bereits andere hochpreisige Geschäfte?
  • Passt das Konzept zur Persönlichkeit des Inhabers?

Wahrscheinlich ist die Weiterentwicklung eines bestehenden hochwertigen Geschäfts sinnvoller als ein kompletter Neustart. Ein separater Bereich für Luxuskollektionen kann ebenfalls ein Einstieg sein.

Das Segment ist noch jung – und wird mit Abstand die kleinste aller Positionierungen bleiben. Doch viele potenzielle Kunden entdecken Luxusbrillen gerade erst – ähnlich wie es vor Jahren bei mechanischen Luxusuhren war.

Und genau darin liegt die Chance.

Welcher Typ bist du? Diese Fragen bringen Klarheit

Du kannst keine passende Kollektion aufbauen, wenn du deinen eigenen Typ nicht kennst.

Nach den sechs Prototypen entsteht meist schon ein erstes Bauchgefühl. Doch Bauchgefühl allein reicht nicht. Entscheidend ist, ob dein Stil, deine Zielgruppe, dein Anspruch und dein wirtschaftlicher Rahmen wirklich zusammenpassen.

Die folgenden Fragen helfen dir, dich klar zuzuordnen.

1. Für wen möchtest du wirklich arbeiten?

  • Fühlst du dich wohler mit klassisch orientierten 40+ Kunden oder mit einer stilistisch suchenden Generation ab Mitte 20?
  • Ziehen dich gesundheitsorientierte, anspruchsvolle Menschen an – oder designaffine Individualisten?
  • Hältst du noch an der Idee fest, möglichst viele bedienen zu wollen – oder traust du dich, dich klar zu positionieren? Ich hoffe nicht … .

Deine ehrliche Antwort zeigt, ob du eher „Landblick“, „Vision – Care & Eyewear“, „Studio Eyewear“, „GOOD LOOK“, „High Fashion“ oder „Edel-Eyewear“ bist.

2. Wie stehst du persönlich zu Stil und Mode?

  • Liebst du Trends und verfolgst sie aktiv?
  • Oder bevorzugst du zeitlose Qualität?
  • Fasziniert dich Handwerk und Manufaktur – oder Design und Avantgarde?
  • Kannst du Begeisterung für außergewöhnliche Details glaubwürdig vermitteln?

Dein eigener Geschmack prägt dein Geschäft stärker, als viele denken.

Welche Preisspanne fühlt sich für dich richtig an?

  • Würdest du selbst 1.500 € oder mehr für eine Brille ausgeben, wenn du ein normaler Kunde wärst?
  • Oder findest du für dich persönlich 250 € für eine Brillenfassung vollkommen ausreichend?
  • Fühlt sich für dich als Optiker ein Fassungspreis von 500 € an aufwärts konsequent an – oder riskant?

Hier geht es nicht um Mut, sondern um Authentizität. Wenn du innerlich zögerst, wird dein Kunde es spüren.

Wie wichtig ist dir fachliche Tiefe im Verhältnis zur Stilberatung?

  • Möchtest du als Sehqualitäts-Experte wahrgenommen werden?
  • Oder als Kurator besonderer Marken?
  • Oder als Vollblut-Berater, der sich am wohlsten fühlt, wenn richtig was los ist und schnell das Vertrauen der unterschiedlichsten Kunden gewinnt?

Deine Priorität entscheidet, welche Rolle die Brillenkollektion in deinem Gesamtkonzept spielt.

Wie viel Konsequenz kannst und willst du leben?

  • Bist du bereit, bewusst Marken wegzulassen, die wirtschaftlich „sicher“ erscheinen?
  • Kannst du auf bekannte Logos verzichten?
  • Hältst du es aus, nicht für jeden Kunden das Passende zu haben?

Jedes starke Konzept braucht Verzicht.
Ohne klare Linie entsteht wieder das bekannte Stückwerk.

Am Ende solltest du dich nicht in zwei Konzepten gleichzeitig sehen.

Wenn du ehrlich antwortest, wird eines dominieren – vielleicht mit leichten Nuancen eines anderen.

Und genau dort beginnt deine eigentliche Markenarbeit.

80 % Klarheit sind die Basis – 20 % sorgen für deine ganz individuelle Facette.

Die sechs Konzepte sind kein starres System, sondern Denkmodelle.

Sie sollen Orientierung geben – nicht einschränken. Natürlich kann dein Geschäft Elemente enthalten, die hier nicht beschrieben sind.

Eine klare Zuordnung von etwa 80 % zu einem Konzept ist jedoch eine sehr stabile Basis. Sie sorgt dafür, dass man sofort versteht, wofür dein Geschäft steht – und ob man sich hingezogen fühlt oder auch nicht.

Die restlichen 20 % dürfen bewusst ergänzt werden. Das kann aus einem anderen der beschriebenen Konzepte stammen. Oder aus einem völlig anderen Gedanken.

Beispiele:

  • Ein „Landblick“-Geschäft mit eigener 3D-Brillenfertigung im Haus
  • „GOOD LOOK“ kombiniert mit ausgewählten High-Fashion-Labels aus „RUNWAY EYEWEAR“.
  • „Studio Eyewear“ mit integriertem Café oder Bar als Treffpunkt für das Quartier

Welche Brillenmarken wirklich zu deiner Positionierungswelt passen

Marken sind Ausdruck deiner ganz persönlichen Welt innerhalb der Augenoptik.

Die Präsentation deiner Brillenkollektion ist das Erste, was dein Kunde wahrnimmt, wenn er dein Geschäft betritt. Sie muss nahtlos zu allem passen, was er bei dir erlebt: zur Ansprache des Teams, zur Beratung, zum Ambiente – und natürlich auch zur fachlichen und technischen Kompetenz, die im Hintergrund wirkt.

Wenn hier etwas nicht zusammenpasst, spürt man es sofort.

Darum sprechen wir jetzt über konkrete Brands.

Darauf hast du lange genug gewartet.

Marken für „Landblick“

In einer Welt wie „Landblick“ funktionieren Marken, die Ruhe, Qualität und Substanz ausstrahlen. Nachhaltigkeit ist wichtig – aber sie darf nie die einzige Botschaft sein. Design, Material und handwerkliche Glaubwürdigkeit müssen genauso stark sein.

Beispiele für diese Richtung sind:
Rolf, Kador, Sea2See, Dick Moby, Markus T., HUG, Funk, Giorgio Nannini

Diese Einordnung bedeutet nicht, dass diese Marken ausschließlich in „Landblick“ funktionieren. Sie zeigen lediglich die stilistische und unternehmerische Richtung.

Typischer Fehler:
Zu stark über das Thema „ökologisch“ verkaufen und dabei Kollektionen einkaufen, die zwar nachhaltig sind, aber gestalterisch austauschbar bleiben. Nachhaltigkeit überzeugt langfristig nur dann, wenn sie mit Designqualität verbunden ist.

Marken für „Studio Eyewear“

In einer Welt wie „Studio Eyewear“ funktionieren Marken mit klarer Designsprache, architektonischem Anspruch und internationaler Haltung. Sie wirken kuratiert, selbstbewusst und sind für Kunden gedacht, die Design bewusst wählen – nicht zufällig.

Beispiele für diese Richtung sind:
Veronika Wildgruber, Ahlem, Vava, Nirvan Javan, Yuichi Toyama, Klenze & Baum, Oliver Goldsmith.

Diese Einordnung bedeutet nicht, dass diese Marken ausschließlich in „Studio Eyewear“ funktionieren. Sie zeigen die ästhetische und unternehmerische Richtung dieser Welt.

Typischer Fehler:
Zu viele sehr ähnliche Design-Kollektionen nebeneinander zu führen. Dann verliert selbst ein starkes Konzept seine Klarheit – und wirkt schnell wie eine Ansammlung schöner Einzelstücke statt wie eine kuratierte Galerie.

Marken für „GOOD LOOK“

In einer Welt wie „GOOD LOOK“ funktionieren Marken, die individuelles Design, Freude am Styling und Alltagstauglichkeit verbinden. Sie haben eine klare Handschrift, bleiben zugänglich im Preis – und grenzen sich bewusst vom Lizenz-Mainstream ab.

Beispiele für diese Richtung sind:
Odettes Lunettes, Peter & May, Le Parc, Pagani, Grafix, Stepper Eyewear, Kaleos, Gobi Amsterdam.

Diese Einordnung bedeutet nicht, dass diese Marken ausschließlich in „GOOD LOOK“ funktionieren. Sie zeigen die stilistische und preisliche Richtung dieser Welt.

Typischer Fehler:
Zu stark über den Preis argumentieren und dabei gestalterisch austauschbare Kollektionen einkaufen. „GOOD LOOK“ lebt nicht von günstiger Ware – sondern von bewusst gewähltem Design mit Substanz.

Marken für „Sehraum“

In einer Welt wie „Sehraum“ funktionieren Marken, die Kompetenz, Präzision und Substanz ausstrahlen. Du brauchst Kollektionen, die reduziert und zurückhaltend im Design sind. Dazu ein paar dezent modische Highlights. Qualität, Passform und technische Glaubwürdigkeit stehen klar im Vordergrund.

Beispiele für diese Richtung sind:
Lunor, Martin Schoeder, Res Rei, Brett, Raydiant, Tinpal, You Mawo, DOOK Denmark.

Diese Einordnung bedeutet nicht, dass diese Marken ausschließlich in „Sehraum“ funktionieren. Sie zeigen die stilistische und qualitative Richtung dieser Welt.

Gerade in diesem Segment kannst du – je nach persönlichem Stil – auch bewusst modischere Kollektionen ergänzen und damit Kunden anziehen, denen sowohl Gesundheit als auch Mode wichtig sind.

Typischer Fehler:
Das Sortiment zu einseitig funktional auszurichten. Dann entsteht schnell eine nüchterne Atmosphäre, die Kompetenz zeigt – aber keine emotionale Bindung aufbaut.

Marken für „Runway Eyewear“

In einer Welt wie „Runway Eyewear“ funktionieren Marken mit starker Präsenz, modischer Klarheit und hohem Wiedererkennungswert. Sie dürfen Statement sein, Trends aufgreifen und eine gewisse Inszenierung mitbringen.

Beispiele für diese Richtung sind (bewusst nur die Independent Brands):

Thierry Lasry, Project Product, Randolph, Oscar Magnusson, Hermès Pontet, Coblens, Anne & Valentin, Moscot.

Diese Einordnung bedeutet nicht, dass diese Marken ausschließlich in „Runway Eyewear“ funktionieren. Sie zeigen die modische und imageprägende Richtung dieser Welt.

Bei Lizenzmarken kannst du selbst am besten entscheiden, welche für dein Publikum und deinen Standort Sinn ergeben.

Möglicher Fehler:
Zu stark auf gehypte oder kurzfristige Trends zu setzen, ohne eine klare kuratorische Linie zu halten. Dann wirkt das Geschäft wie eine modische Momentaufnahme – statt wie eine selbstbewusste Bühne mit eigener Handschrift.

Marken für „Collection Privée“

In einer Welt wie „Collection Privée“ funktionieren Marken mit kompromissloser Qualität, handwerklicher Exzellenz und klar erkennbarem Sammlerwert. Materialien, Verarbeitung und Detailtiefe stehen über kurzfristigen Trends. Diese Kollektionen wirken souverän – und sind bewusst im oberen Preissegment positioniert.

Beispiele für diese Richtung sind:
Akoni, Linda Farrow, Barcelunettes, Dita, Hoffmann, Leisure Society, Miga Studio, Sato.

Auch hier nur eine Auswahl. Allerdings gibt es in diesem Segment deutlich weniger Vertreter als in anderen Kategorien – und genau das macht die sorgfältige Auswahl so entscheidend.

Diese Einordnung bedeutet nicht, dass diese Marken ausschließlich in „Collection Privée“ funktionieren. Sie zeigen die qualitative und preisliche Richtung dieser Welt.

Möglicher Fehler:
Luxus nur über den Preis zu definieren. Ohne echte Materialkompetenz, Hintergrundwissen und Begeisterung für die Manufakturarbeit wirkt selbst eine teure Kollektion beliebig – und verliert ihre Strahlkraft.

Du brauchst keine 50 oder 80 Marken – du brauchst die richtigen

Du hast wahrscheinlich gemerkt: Die bekanntesten Independent Brands habe ich hier gar nicht genannt – auch wenn ich sie sehr schätze. Doch ihr kennt sie sowieso und der Markt für Independent Eyewear bietet noch so viel mehr. Mit meinen Beispielen möchte ich einen ersten Eindruck davon vermitteln und Neugierde wecken.

Und ich sage das nicht leichtfertig. In meinem Beratungsportfolio habe ich über 230 unabhängige Marken gesammelt – aus ganz unterschiedlichen Ländern, Stilwelten und Preisbereichen. Es gibt also immer mehrere Alternativen für eine bestimmte Richtung.

Die Frage ist nur: Welche passt wirklich zu dir?

Wenn deine Positionierung klar ist, verändert sich dein Blick. Du läufst nicht mehr über eine Messe und fragst dich, was spannend aussieht oder was Kollegen gerade feiern. Du merkst ziemlich schnell, ob eine Kollektion in deine Welt gehört – oder ob sie dich nur im Moment reizt.

Vielleicht wirst du einige deiner bisherigen Lieblingsmarken auch bei einer stärkeren Positionierung weiterführen.

Vielleicht stellst du aber auch fest, dass viele nie wirklich zu dir gepasst haben – und auch nicht untereinander.

Vielleicht beginnst du erst einmal mit einer einzigen neuen Kollektion und beobachtest, was das mit deinem Geschäft macht.

Es geht nicht darum, alles niederzureißen. Es geht darum, ehrlich hinzusehen.

Mit 50 oder 80 Marken entsteht keine starke Identität. Es entsteht eine Sammlung von Einzelentscheidungen ohne gemeinsame Richtung.

Ich selbst hatte bei BELLEVUE nie mehr als 20 Brands – und bin damit sehr erfolgreich gewesen. Nicht, weil 20 die magische Zahl ist. Sondern weil jede einzelne Marke bewusst gewählt war.

Weniger ist mehr. 50 oder 80 sind eindeutig zu viel.

Aber zuerst brauchst du Klarheit.
Und dann ergeben sich die passenden Marken fast von selbst.

Karin Stehr ist strategische Beraterin für Positionierung in der Augenoptik und Expertin für Independent Eyewear.

Sie führte 33 Jahre lang ein eigenes Optikgeschäft, davon 17 Jahre ausschließlich mit Independent Brands. Heute berät sie unabhängige Optiker, sich durch ein unverwechselbares Konzept und die passende Brillenkollektion vom Mainstream abzuheben.

Sie ist Autorin einer mehrteiligen Fachartikelserie in der eyebizz, Speakerin auf Branchenevents und mit ihrer strategischen und gleichzeitig menschlich zugewandten Beratungsmethode einzigartig in der Augenoptik-Branche.

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